Pflegenotstand: Kollaps oder Lösung lautet das Motto

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Der Pflegenotstand wird immer mehr zu einem gesellschaftlichen und vor allem politischen Problemen.

Aktuell fehlen über 25.000 Fachkräfte in der Pflege.

Droht der Kollaps oder gibt es Lösungsansätze, die das Problem dauerhaft beseitigen können?

Anfrage der Grünen im Bundestag legt Probleme in der Pflege offen

Pflegenotstand: Kollaps oder Lösung lautet das Motto - Pflege Liebe Zeitschrift
Pflegenotstand: Kollaps oder Lösung lautet das Motto – Pflege Liebe Zeitschrift

Bündnis 90/die Grünen stellten eine Anfrage zum Thema Pflegenotstand und erhielt von der Bundesregierung die Antwort, dass insgesamt 35.000 Stellen in der Pflege derzeit nicht besetzt werden können.

Dabei handelt es sich um 25.000 Stellen für Fachkräfte und rund 10.000 Stellen für Pflegeassistenzkräfte.

Durchschnittlich gab es im Jahr 2017 rund 14.785 offene Stellen im Bereich der Pflege.

Dieser Wert bezieht sich hierbei auf die Altenpflege. Im Bereich der Krankenpflege waren es im Jahr 2017 durchschnittlich 10.814 offene Stellen.

Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, als dass die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag 8000 zusätzliche Stellen für den Bereich der Pflege versprochen hatte.

Die Problematik findet sich deshalb auch nicht so sehr in der Finanzierung der 8000 zusätzlichen Stellen im Bereich der Pflege, sondern darin, dass die bereits jetzt schon vorhandenen Stellen nicht besetzt werden können.

Wenn die Bundesregierung nun vollmundig 8000 zusätzliche Stellen verspricht, bedeutet dies, dass zu den genannten Zahlen weitere 8000 Stellen nicht besetzt werden können.

Grüne sehen einer „echte Fachkräftekrise“

Die Fraktionschefin von Bündnis 90/die Grünen im Bundestag, Katrin Göring Eckardt, spricht deshalb auch von einer so wörtlich „echten Fachkräftekrise“.

Statt allerdings das Problem nicht nur zu benennen, sondern auch eigene Lösungsvorschläge zu machen, fordern die Grünen ein Pflege-Sofortprogramm mit jeweils 25.000 zusätzlichen Pflegefachkräftestellen.

Ein wenig erinnern sowohl die Vorschläge der Bundesregierung wie auch die Vorschläge der Grünen an einen Zauberer, der scheinbar aus dem Nichts mehrere Kaninchen aus dem Zylinder zutage fördert.

Doch leider ist die Realität nicht so zauberhaft. Die Problematik liegt schlicht und ergreifend darin, dass kaum jemand freiwillig den Beruf ergreifen will.

All jene, die den Beruf mit hoher Motivation beginnen, steigen nach wenigen Jahren nach Abschluss der Ausbildung aus. Der Pflegefachkräftemangel offenbart sich zudem regional unterschiedlich.

In Berlin kommen derzeit auf 100 offene Stellen im Bereich der Altenpflege 43 Arbeitslose examinierte Fachkräfte.

In Nordrhein-Westfalen sind es 34, in Bayern und Thüringen hingegen lediglich 14, in Sachsen und Rheinland-Pfalz sogar nur 13.

Im Bereich der Krankenpflege sieht die Situation für Berlin sogar noch anders aus.

Dort kommen auf 100 offene Stellen 81 Arbeitslose examinierte Fachkräfte, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 74, in Baden-Württemberg hingegen lediglich 29.

Trotzdem offenbaren alle regionalen Zahlen, dass das Angebot an offenen Stellen das Angebot an zur Verfügung stehenden Bewerbern deutlich übersteigt.

Lösungen statt schöner Worte

Die Politik muss endlich Lösungen entwickeln, um den Pflegenotstand auf Dauer zu beseitigen.

Selbstinszenierungsprogramme für einzelne Politiker erwecken hingegen lediglich den Unmut im Bereich der Pflege und sind der Sache in keiner Art und Weise dienlich.

Deshalb sollte die Politik hier ausdrücklich mit Praktikern aus dem Reich der Pflege und mit Pflegewissenschaftlern zusammenarbeiten und zudem auch Soziologen mit in das Boot holen.

Ökonomen hingegen sollten erst ganz zum Schluss, wenn es um die Frage der Finanzierung geht, überhaupt an dem Prozess beteiligt werden.

Denn die bisherigen Erfahrungen haben allesamt gezeigt, dass eine Ökonomisierung der Pflege genau den Zustand herbeigeführt hat, der nun vorherrscht.

Insofern sollte man nicht diejenigen frühzeitig am Lösungsprozess beteiligen, die den Schlamassel aktiv herbeigeführt haben. [wysija_form id=“1″]

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