Pflegenotstand: Schafft die Digitalisierung Abhilfe?

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Pflegenotstand - Digitalisierung - Pflege Liebe Zeitschrift

Der Pflegenotstand wird immer mehr zu einem bundesweiten Problem. Die Politik hat diesem Jahr darauf reagiert und Personaluntergrenzen ab dem Jahr 2019 gesetzlich festgelegt.

Pflege Liebe hatte in dem gestrigen Beitrag darüber berichtet und kritisch hinterfragt, ob ökonomische Belange im Vordergrund der Einigung der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung standen, statt tatsächlicher pflegewissenschaftlich untermauerter Auslastungsstudien im Hinblick auf die einzelnen Fachbereiche.

Pflegenotstand digital bekämpfen?

Nunmehr gibt es zahlreiche Softwareunternehmen, die Software entwickeln, um dem Pflegenotstand den digitalen Kampf anzusagen.

Pflegenotstand - Digitalisierung - Pflege Liebe Zeitschrift
Pflegenotstand – Digitalisierung – Pflege Liebe Zeitschrift

So bietet beispielsweise das derzeit in Augsburg und ganz Schwaben getestete Projekt „DigitalCare – Teilbereich Schnittstellenoptimierung zwischen Krankenhaus Kurzzeitpflege“ die Basis für eine skalierbare, cloudbasierte und damit digitale Infrastruktur für den Pflegebereich.

Das Projekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie mit knapp 300.000 Euro gefördert.

Die Stadt Augsburg und Umgebung stellt dabei eine Modellregion des Projektes dar.

Die Software soll anhand eines Ampelsystems ähnlich wie bei einer Hotelbuchungssoftware im Internet, anzeigen, in welchen Einrichtungen freie Plätze für Kurzzeitpflege vorhanden sind und wo nicht.

Ampelsystem soll Zeit sparen helfen

Dadurch sollen die Pflegekräfte die Möglichkeit erhalten, Patienten in Kurzzeitpflegeeinrichtungen schnell und effizient zu vermitteln.

Derzeit muss eine Pflegekraft zahlreiche Kurzzeitpflegeeinrichtungen manuell anrufen, um einen Platz zu finden.

Durch das Ampelsystem soll dies quasi mit einem Klick erfolgen und damit viel Zeit sparen.

Auch sollen über das System und eine damit erfolgte digitale Vernetzung und ein Austausch im Hinblick auf Medikationspläne, Arztbriefe oder etwaig benötigte medizinisch notwendige Pflegehilfsmittel übermittelt werden.

An dem Projekt ist das Augsburger Unternehmen C&S Computer und Software GmbH als Entwickler federführend.

In wissenschaftlicher Hinsicht wird das Unternehmen von der Fürther Wilhelm-Löhe-Hochschule und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Arbeitsgruppe SCS (Erlangen) beraten.

Das entwickelte Verfahren soll nach den Plänen der Entwickler auf das gesamte Gebiet der Bundesrepublik ausgeweitet werden.

Langfristig ist zudem geplant, dass auch ambulante Pflegedienste, stationäre Langzeitpflegeeinrichtungen und Betreuungsdienste für Kinder mit in das System integriert werden.

Das Unternehmen selbst wirbt damit, dem Pflegenotstand entgegenwirken zu wollen.

Fehlende pflegewissenschaftliche Untermauerung

Pflegenotstand - Digitalisierung in der Pflege - Pflege Liebe Zeitschrift
Pflegenotstand – Digitalisierung in der Pflege – Pflege Liebe Zeitschrift

Solange jedoch keinerlei Studie aus pflegewissenschaftlicher Sicht vorliegt, wie der zeitliche Aufwand im Hinblick auf die Organisation eines Kurzzeitpflegeplatzes tatsächlich ist, lassen sich demnach auch keinerlei Angaben im Hinblick auf den zeitlichen Gewinn und damit die zur reinen Pflege freiwerdenden Kapazitäten ziehen.

Derzeit darf deshalb das Verfahren sicherlich ein gut gemeinter Aspekt zur Bekämpfung des Pflegenotstandes sein.

Wenn überhaupt, dürfte aber die Software allenfalls an der Spitze des Eisberges kratzen.

Fraglich bleibt auch, inwieweit die cloudbasierte Technologie kritikfrei im Hinblick auf den Datenschutz und damit die mögliche Angriffsfläche durch Hacker einfach so hinzunehmen ist.

Insbesondere in datenschutzrelevanten Bereichen stellt sich somit die Frage, ob die cloudbasierte Technologie überhaupt vollständig oder nur mit Einschränkungen zur Anwendung gelangen darf.

Pflegenotstand – Kostet die Digitalisierung am Ende Jobs in der Pflege?

Solange jedoch keine pflegewissenschaftlichen Studien vorliegen, die den zeitlichen Aufwand einzelner durch die Pflegekraft zu tätigender Arbeiten in Augsburg dokumentieren, lässt sich insoweit auch kritisch anmerken, ob die Software im Endeffekt nicht sogar das Gegenteil bewirken kann und soll (nämlich die Wegrationalisierung weiterer Pflegekräfte).

Insbesondere in Zeiten zunehmender ökonomischer Zwänge in privaten Pflegeeinrichtungen, aber auch in öffentlichen Kliniken könnte dies letztlich zu einer Anpassung der Personaluntergrenzen nach unten führen und damit letztlich das Gegenteil bewirken, nämlich eine weitere Verschärfung des Personalnotstandes in der Pflege.

Im Hinblick auf den Wegfall von Arbeitsplätze n durch die Digitalisierung gibt es mittlerweile Studien. So ist für die USA insbesondere die Studie von Carl Frey und Michael Osborne zu nennen „THE FUTURE OF EMPLOYMENT: HOW SUSCEPTIBLE ARE JOBS TO COMPUTERISATION?“

Ähnliche Auswirkungen werden auch für Deutschland und die übrigen EU-Staaten vorausgesagt. Effizientere Möglichkeiten zur Bekämpfung des Pflegenotstandes ohne Digitalisierung kann beispielsweise das durch den Pflegewissenschaftler S. Frey entwickelte Konzept der Kommunikativen Pflege zur Bekämpfung des Pflegenotstandes geben.

Pflegenotstand – Wie ist Ihre Meinung?

Teilen Sie uns bitte jetzt Ihre Ansichten zum Thema Pflegenotstand mit – Wir freuen uns sehr auf Ihre Zuschriften per eMail an Post@Pflege-Liebe.de

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