Pflegenotstand: Was hilft gegen das Pflegechaos?

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Pflegenotstand: Was hilft gegen das Pflegechaos? - Pflege Liebe Zeitschrift

Pflegenotstand immer größer, so oder ähnlich lauten zahlreiche Schlagzeilen.

Insbesondere von der Politik fühlt sich der Pflegeberuf zunehmend allein gelassen.

Die Politik als gesetzgeberisches Organ des Staates ist in der Lage, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Situation für die Pflegekräfte und insbesondere die Patientinnen und Patienten beziehungsweise die Pflegebedürftigen deutlich verbessert.

Wie aber kann eine solche Verbesserung aussehen?

Pflegenotstand: Thüringen erwartet dramatischen Personalmangel

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Zahlreiche Bundesländer klagen über den Pflegenotstand und hier insbesondere um den Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal.

Aktuell gibt es Zahlen aus Thüringen, die für das Jahr 2030 allein für das Bundesland Thüringen nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtverbandes 8000 neue Pflegekräfte notwendig macht.

Diese Zahl bedeutet, dass gegenüber dem heutigen Stand nochmals 8000 Pflegekräfte notwendig sind, um die Pflege gewährleisten zu können, wie sie heute existiert.

Nach den Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Thüringen lagen die Zahlen von Pflegebedürftigen im Jahr 2012 bei knapp 83.000, im Jahr 2017 lag diese Zahl bereits bei 94.000 Pflegebedürftigen.

Bis zum Jahr 2030 wird eine Zahl von 108.000 Pflegebedürftigen prognostiziert.

Pflegenotstand: Pflege fühlt sich von Politik alleine gelassen

Der Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Rolf Höfert fordert als quasi Sofortmaßnahme eine Erhöhung der Gehälter für Pflegekräfte um 10 %.

Die Ergebnisse der Sondierungsverhandlungen für den Bereich der Pflege bezeichnet der Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Thüringen als regelrechte „Blamage“.

Insgesamt fordern Union und SPD bundesweit 8000 neue Stellen im Pflegedienst.

Höfert rechnet derweil vor, dass dies bei den derzeit 13.600 Pflegeeinrichtungen in Deutschland lediglich eine Erhöhung um 0,58 Stellen pro Einrichtung bedeuten würde.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Thüringen fordert derweil, dass die Pflege im Bewusstsein der Bevölkerung einen viel größeren Stellenwert erhalten müsste.

Einer aktuellen Umfrage zufolge fühlen sich 91 % aller professionell tätigen Pflegekräfte von der Politik insgesamt alleine gelassen. 80 % der Befragten äußern zudem, dass die personelle Ausstattung nicht ausreichend sei.

Selbst 72 % der befragten Ärzte stimmten dieser Aussage zu.

Pflegenotstand: Wie aber lässt sich das Pflegechaos wirklich bewältigen?

Immer wieder hört man aus der Politik die Forderung, den Beruf attraktiver zu machen.

Der demografische Wandel sorgt jedoch dafür, dass die quantitativen und qualitativen Anforderungen an den Beruf stetig ansteigen.

Das bedeutet, für die einzelne Pflegekraft steigt die Arbeitsbelastung.

Durch die zunehmende Anzahl an Pflegebedürftigen steigt insoweit auch die psychische wie physische Belastung der einzelnen Pflegekraft stetig an.

Die Gehälter in der Pflege zu erhöhen, mögen zwar ein Schritt in die richtige Richtung sein, ändern aber zunächst an der Lage nichts.

Denn die Attraktivität eines Berufes allein am Gehalt festzumachen, widerspricht sämtlichen bisherigen Erkenntnissen aller amtlichen Statistiken.

Um die Rahmenbedingungen in der Pflege zu verändern, muss einerseits die gesellschaftliche Anerkennung des Berufes deutlich erhöht werden.

Dies geschieht jedoch nur dann, wenn die Politik entsprechende Rahmenbedingungen schafft.

Diese könnten beispielsweise darin liegen, dass Pflegekräfte einen ähnlichen Status erhalten wie Beamte.

Auch wenn die Träger der Pflegeeinrichtungen jeweils unterschiedlich sind, (kirchlich, privat, kommunale Einrichtungen und Landeseinrichtungen und teilweise auch Bundeseinrichtungen), so lässt sich im Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Aufgabe jedoch auf ähnliche Berufe wie die des Polizeibeamten oder des Feuerwehrmanns abstellen.

Wenn also Pflegekräfte ein ähnliches Privileg wie Beamte hätten, wäre der Pflegeberuf bereits um einiges attraktiver.

Dies gilt sowohl im Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Anerkennung als auch im Hinblick auf die persönliche Absicherung der Pflegekräfte. Zudem müssen Konzepte entwickelt werden, die einen Umgang mit dem Pflegenotstand und insbesondere mit den zunehmenden Pflegebedürftigen ermöglichen.

Das Konzept der kommunikativen Pflege

Derartige Konzepte können beispielsweise wie das der so genannten „kommunikativen Pflege“ darstellen (vgl. S. Frey 2012).

Dieses Konzept beruht darauf, dass viele Anordnungen in der Pflege beziehungsweise viele Dinge, die im Pflegealltag anfallen, nur unzureichend kommuniziert werden und dadurch doppelte Wege oder mehrfache Nachfragen notwendig sind.

Die Effizienz dieses Konzeptes berechnet sich hierbei, bezogen auf die Gesamtpflegeeinrichtungen.

Dadurch kann im besten Fall der bei konsequenter Umsetzung einer Einsparung im Sinne von Zeit erzielt werden, die der mehrerer Planstellen entspricht.

Eine weitere Möglichkeit um das Pflegechaos, welches in der Zukunft bei weiterer Untätigkeit der Politik droht, Herr werden zu können, ist die Einbindung von Angehörigen beziehungsweise die Schaffung alternativer Wohngruppen.

Hier bedarf es innovativer Ideen, um auch in der Zukunft eine menschenwürdigere und vor allem liebevolle Pflege gewährleisten zu können.

Empfehlungen einiger Zeitgenossen wie die Pflegeroboter einzusetzen, sollte sich jedoch ausschließlich auf Dinge wie das Essen austeilen oder Hohl- und Bringetätigkeiten beschränken.

Die eigentliche Pflege ist einerseits für Maschinen viel zu komplex, andererseits würde durch die Etablierung derartiger Verfahren der Eindruck entstehen, dass Menschen im wahrsten Sinne des Wortes maschinell abgefertigt würden.

Literatur: S. Frey, Neue Pflegekonzepte trotz zunehmenden Fachkräftemangels. Eine pflegewissenschaftliche Studie auf Basis kommunikativer Pflege,  AVM-Verlag München 2012

Welche Erfahrung haben Sie in ihrem Berufsalltag als Pflegekraft mit dem Pflegenotstand gemacht? – Wir freuen uns sehr auf Ihre Zuschriften per eMail an Post@Pflege-Liebe.de.

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